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Was die LogiMAT über den Digitalen Produktpass gezeigt hat

 LogiMat 2026 Blog
 

Zu Beginn der Session hebt etwa die Hälfte der Anwesenden die Hand.  Die Frage: Wer kennt den Digitalen Produktpass?

Bei der nächsten Frage bleiben nur zwei, vielleicht drei Hände oben.  Wer freut sich darauf?

Der Moment ist kurz – und ziemlich eindeutig. Er zeigt, wo die Branche aktuell steht.
Der DPP ist angekommen, aber noch nicht wirklich Teil der Praxis.

Eine Bühne, die mehr gezeigt hat als Meinungen

Genau dieser Moment macht den Blick auf die Bühne interessant.

Neben Thomas stehen dort zwei Unternehmen, die den Digitalen Produktpass früh aufgegriffen haben und heute ganz selbstverständlich damit arbeiten: 

Saredin Seine (CEO, SEINE Batteriesysteme) und Dirk Uhlenbrock (CEO, B&W Cases of Success)

Es ist keine Konstellation, die sich für diesen Termin ergeben hat. Was hier zusammenkommt, ist über Zeit gewachsen.

Mehr als Regulierung: Der DPP als Infrastruktur

In der Einordnung von Thomas verschiebt sich der Blick dabei fast unmerklich.

Die Diskussion löst sich von der reinen ESG-Perspektive und auch von der Frage, was konkret erfüllt werden muss. Stattdessen rückt etwas anderes in den Vordergrund: die Struktur hinter den Informationen.

Der Digitale Produktpass erscheint hier als Infrastruktur, in der Produktdaten zusammenlaufen, aktualisiert werden und über den gesamten Lebenszyklus hinweg verfügbar bleiben.

Damit verändert sich auch die Perspektive auf das Thema insgesamt. Es geht weniger um einzelne Anforderungen und stärker um die Frage, wie Informationen rund um das Produkt organisiert und nutzbar gemacht werden.

Was das in der Praxis bedeutet: SEINE Batteriesysteme

Bei SEINE Batteriesysteme wirkt dieser Gedanke bereits sehr greifbar.

Jedes Batteriesystem erhält eine digitale Identität, die über die Zeit hinweg mit Informationen angereichert wird. Qualitätsdaten, Nutzung und Zustand werden nicht isoliert abgelegt, sondern direkt dem Produkt zugeordnet.

Im Service zeigt sich, was das bedeutet: Ein Produkt kommt zurück und muss nicht mehr im Detail nachvollzogen werden. Die relevanten Informationen sind bereits vorhanden.

Einsätze lassen sich besser vorbereiten, Techniker kommen mit den passenden Ersatzteilen und der Ablauf wird klarer – für alle Beteiligten.

Ein anderer Zugang: B&W International

Bei B&W liegt der Schwerpunkt an einer anderen Stelle.

Hier geht es stärker darum, Informationen im Moment der Nutzung verfügbar zu machen: Zertifikate, Handbücher und produktbezogene Daten sind direkt mit dem Produkt verknüpft und können unmittelbar abgerufen werden.

Die Suche über verschiedene Systeme oder Dokumente tritt in den Hintergrund.

27 Seiten Handbuch machen heute keinen Sinn mehr.

Dirk Uhlenbrock, CEO, B&W

Ein Beispiel:
Ein Frachtführer kann direkt prüfen, ob ein Koffer die erforderliche Zertifizierung erfüllt — ohne zusätzliche Schritte. Die Information ist einfach da, wenn sie gebraucht wird.

Was dieses Panel über den Markt zeigt

Interessant ist weniger das einzelne Beispiel als das Gesamtbild. Während sich viele noch orientieren und versuchen einzuordnen, was auf sie zukommt, haben andere längst begonnen, mit dem Thema zu arbeiten.
Diese beiden Perspektiven liegen aktuell nebeneinander.
Und sie führen zu sehr unterschiedlichen Gesprächen. Auf der einen Seite geht es um Anforderungen, auf der anderen bereits um konkrete Anwendungen und Prozesse.

Die Infrastruktur als eigentliche Herausforderung

Was deutlich wurde: Daten bleiben zwar ein zentrales Thema – gerade in komplexen Lieferketten ist es nicht trivial, die notwendigen Informationen zusammenzubringen – doch die eigentliche Herausforderung liegt woanders.

Das Wichtigste ist, eine gescheite Infrastruktur aufzubauen.

Saredin Seine, CEO SEINE Batteriesysteme

Gemeint ist damit kein perfektes System von Anfang an, sondern eine Grundlage, die mitwachsen kann.

Wer diese Struktur einmal etabliert hat, kann sich auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren: Daten zusammenzuführen und nutzbar zu machen – ohne ständig an anderen Stellen nachjustieren zu müssen.

Vom Pflichtprogramm zur operativen Realität

Der Digitale Produktpass wird oft noch als eine Anforderung der Zukunft wahrgenommen.
Auf der LogiMAT wurde jedoch deutlich, dass er für manche Unternehmen bereits Teil ihrer betrieblichen Realität ist. 

Sobald er als Infrastruktur verstanden wird, verändert sich der Umgang mit dem Produkt spürbar – von der Wartung bis zur langfristigen Nutzung.