Pflicht-Überblick · EU-Regulatorik 2026 bis 2030
ESPR: Ökodesign-Verordnung, Pflichten und Zeitplan bis 2030
Die EU regelt mit der ESPR neu, wie nachhaltig Produkte gestaltet sein müssen und welche Produktdaten dafür digital verfügbar sein müssen. Seit Juli 2026 gilt das Zerstörungsverbot für unverkaufte Bekleidung und Schuhe, die EU-Registry für Digitale Produktpässe ist in Betrieb, und die ersten technischen DPP-Normen sind im Amtsblatt gelistet. Der erste produktspezifische Rechtsakt, für Eisen und Stahl, wird bis Ende 2026 erwartet.
Die ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation, deutsch Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte) ist seit dem 18. Juli 2024 in Kraft. Sie ersetzt die bisherige Ökodesign-Richtlinie aus dem Jahr 2009 und weitet sie auf nahezu alle physischen Produkte aus, die im EU-Binnenmarkt in Verkehr gebracht werden. Rechtsgrundlage ist die Verordnung (EU) 2024/1781. Die ESPR definiert keine einheitliche Pflicht für alle Produkte gleichzeitig, sondern öffnet einen Rahmen, den die EU-Kommission über Delegierte Rechtsakte Produktkategorie für Produktkategorie befüllt. Eines der zentralen Instrumente der ESPR ist der Digitale Produktpass (DPP). Daneben definiert die Verordnung Designanforderungen rund um Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Materialeinsatz sowie ein Zerstörungsverbot für unverkaufte Konsumgüter.
Damit auch du dich umfassend vorbereiten kannst, zeigt diese Seite, was die Ökodesign-Verordnung konkret verlangt, was seit 2026 bereits gilt, welche Produktkategorien ab wann betroffen sind und wie du als Compliance- oder Unternehmensverantwortliche die Umsetzung strukturiert angehst.
Die ESPR in Zahlen
18.07.24
ESPR in Kraft
VO 2024/1781
19.07.26
Zerstörungsverbot gilt
Bekleidung und Schuhe, ESPR Art. 25
15.07.26
DPP-Normen im Amtsblatt
Durchführungsbeschluss (EU) 2026/1736
Q4 2026
Erster Produkt-Rechtsakt erwartet
Eisen und Stahl
18+
Monate Übergangsfrist pro Rechtsakt
Regelfall, je nach Rechtsakt verschieden
6-12
Monate Umsetzung
Narravero-Erfahrung
Was ist die ESPR?
Die ESPR ist die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte. Sie löst die Richtlinie 2009/125/EG ab, die bis dato nur energieverbrauchsrelevante Produkte erfasst hat. Bekannt wurde die alte Richtlinie vor allem im Zusammenspiel mit dem Energielabel mit den A-bis-G-Klassifizierungen für Elektrogeräte, Heizungen und Beleuchtung. Mit der ESPR weitet die EU diesen Rahmen auf nahezu alle physischen Produktgruppen aus. Ziel ist, Produkte bereits am Reißbrett so zu gestalten, dass sie langlebiger, reparierbarer, wiederverwendbarer und recyclingfähiger sind und weniger Ressourcen verbrauchen. Der Digitale Produktpass (DPP) wird dabei voraussichtlich für viele priorisierte Produktgruppen das zentrale Informationsinstrument der ESPR, über das produktspezifische Anforderungen strukturiert dokumentiert und überprüfbar werden. Umfang und Architektur des DPP variieren dabei je nach Produktkategorie und werden im jeweiligen Delegierten Rechtsakt konkretisiert.
Die ESPR wirkt als horizontaler Rahmen. Sie definiert, welche Arten von Anforderungen die EU-Kommission an Produkte stellen darf, nicht was für ein konkretes Produkt gilt. Die konkreten Pflichten kommen über Delegierte Rechtsakte. Das funktioniert in zwei Spuren: produktgruppenspezifische Delegierte Rechtsakte regeln, was für Textilien, Möbel, Stahl und weitere Produktgruppen einzeln gilt. Horizontale Delegierte Rechtsakte regeln Themen, die mehrere Produktgruppen gleichzeitig betreffen, etwa generelle Reparierbarkeitsanforderungen. Das technische DPP-System, auf dem alle Produktgruppen aufsetzen, normiert das Joint Technical Committee 24 (JTC 24) von CEN-CENELEC im Auftrag der Kommission, damit nicht jede Branche eine eigene Lösung entwickelt. Die ersten sechs dieser DPP-Normen sind seit Juli 2026 im Amtsblatt der EU gelistet.
Drei Punkte sind dabei entscheidend.
Erstens: Die ESPR gilt produktbezogen, nicht unternehmensbezogen. Größenschwellen wie beim Lieferkettengesetz gibt es nur in Teilbereichen, etwa beim Zerstörungsverbot. Wer ein betroffenes Produkt in der EU in Verkehr bringt, ist in der Pflicht, einen DPP und die übrigen ESPR-Anforderungen bereitzustellen.
Zweitens: Die Verordnung ist technologieneutral. Sie schreibt Ziele vor (Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Recyclingquote), nicht Technologien.
Drittens: Manche Anforderungen sind heute schon klar und werden durch die Delegierten Rechtsakte voraussichtlich nicht mehr grundlegend umgeschmissen. Beispiel: Eindeutige Kennungen und Datenträger sind seit Juli 2026 in harmonisierten Normen beschrieben (EN 18219 und EN 18220). Die Normen schreiben keine bestimmte Technologie vor. Ob QR-Code, NFC oder RFID verpflichtend ist, legt der jeweilige Rechtsakt für seine Produktgruppe fest. An der Datenträger-Strategie lässt sich damit heute schon arbeiten, auch wenn der produktspezifische Rechtsakt noch nicht final ist.
Ausgenommen sind ausdrücklich nur wenige Kategorien: Lebensmittel, Futtermittel, Arzneimittel und Tierarzneimittel, lebende Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen, Erzeugnisse menschlichen Ursprungs sowie Erzeugnisse, die mit der Reproduktion von Pflanzen und Tieren in direktem Zusammenhang stehen. Fahrzeuge werden über eigene Rechtsakte geregelt und sind deshalb von zentralen ESPR-Pflichten ausgenommen. Alles, was nicht explizit ausgenommen ist, kann über die ESPR reguliert werden.
Kernpunkt
Die ESPR ist eine Rahmenverordnung mit horizontalem System: ein normiertes DPP-System für alle Produktgruppen, dazu produktgruppenspezifische und horizontale Delegierte Rechtsakte für die konkreten Anforderungen.
ESPR Abkürzung und Einordnung
Die ESPR Abkürzung steht für Ecodesign for Sustainable Products Regulation. Im deutschen Sprachgebrauch wird sie synonym mit "Ökodesign-Verordnung" oder "Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte" verwendet. Der englische Begriff ESPR regulation oder schlicht Ecodesign Regulation bezeichnet denselben Rechtsakt.
In der EU-Gesetzgebungslogik ist die ESPR der Nachfolger der Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG. Der Sprung von Richtlinie auf Verordnung ist dabei keine Formalie, sondern ein rechtstechnischer Schritt: Eine Richtlinie gibt die Richtung und das Ziel vor, muss aber von jedem EU-Mitgliedstaat in nationales Recht überführt werden. Jeder Mitgliedstaat entscheidet dabei selbst, wie er das Ziel erreicht. Damit ergeben sich 27 leicht abweichende Gesetzestexte. Eine Verordnung gilt dagegen unmittelbar in jedem Mitgliedstaat, ohne nationale Umsetzungsschleife. Damit harmonisiert die ESPR Ökodesign-Regeln in der gesamten EU.
Die ESPR ist Kernstück des EU-Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft (Circular Economy Action Plan) innerhalb des European Green Deal. Sie ist nicht isoliert zu lesen, weil andere produktspezifische Gesetze wie die Bauprodukteverordnung, die Detergenzienverordnung oder die Spielzeugverordnung den DPP ebenfalls als Instrument nutzen, um Produktkonformität, Produktsicherheit und Bedienungsanleitungen digital und strukturiert bereitzustellen. Die Verpackungsverordnung (PPWR) setzt dagegen auf eine digitale Kennzeichnung per QR-Code, ein verwandtes, aber eigenständiges Instrument ohne DPP-Pflicht.
Die ESPR hat den DPP als erste auf die große Bühne gehoben, weitere produktspezifische EU-Rechtsakte setzen seither auf diese Infrastruktur auf. Sichtbar wird das an der EU-Registry: Sie ist seit Juli 2026 nicht nur für ESPR-Produkte ausgelegt, sondern auch für Batterien, Bauprodukte, Spielzeug und Waschmittel, jeweils sobald der einschlägige Rechtsakt die Registrierung für eine Produktgruppe vorschreibt. Ob der DPP darüber hinaus im allgemeinen Produktrecht verankert wird, hängt vom European Product Act ab, der bisher politisch angekündigt ist. Der Kommissionsvorschlag wird bis Ende 2026 erwartet. Unter dem Leitsatz "ein einziges Werkzeug, ein einziges Mal digitalisieren" verzahnt die Kommission die Vorhaben mit dem DPP als einheitlicher Dateninfrastruktur.
Kernpunkt
ESPR ist die EU-weit unmittelbar geltende Nachfolgerin der Ökodesign-Richtlinie. Sie hat den DPP zur einheitlichen Dateninfrastruktur gemacht, auf die andere produktspezifische EU-Rechtsakte aufsetzen.
Welche Anforderungen bringt die Ökodesign-Verordnung?
Die ESPR erlaubt der EU-Kommission, pro Produktkategorie zwei Arten von Anforderungen festzulegen: Performance-Anforderungen, also Designvorgaben an das Produkt selbst (Materialien, Haltbarkeit, Reparierbarkeit, perspektivisch auch Schwellenwerte wie ein Mindestrezyklatanteil), und Informationsanforderungen, die definieren, welche Produktdaten über den DPP strukturiert bereitgestellt werden müssen. Was konkret gefordert wird, steht im jeweiligen Delegierten Rechtsakt. Die Bandbreite möglicher Anforderungen ist in Artikel 5 und 7 der ESPR umrissen. Produktspezifische Gesetze (etwa die Textilkennzeichnungsverordnung) können zusätzliche Pflichtdatenpunkte ergänzen. Die folgenden neun Anforderungs-Cluster zeigen das Spektrum.
Haltbarkeit
Mindestnutzungsdauer, Zyklenfestigkeit, Robustheit gegen Standardbelastung. Nachweis über standardisierte Prüfverfahren.
Reparierbarkeit
Reparaturfreundliche Bauweise, Verfügbarkeit von Ersatzteilen, Anleitungen. Für einige Kategorien ein Repairability Score.
Wiederverwendbarkeit
Produkte müssen so gestaltet sein, dass zentrale Komponenten austauschbar oder aufrüstbar sind.
Recyclingfähigkeit
Trennbarkeit von Materialien, Vermeidung nicht recyclingfähiger Verbunde, Kennzeichnung zur Sortierhilfe.
Rezyklatgehalt
Verbindliche Mindestquoten an recycelten Materialien für ausgewählte Produktgruppen, gestaffelt nach Zeit.
Ressourcen- und Energieeffizienz
Begrenzung des Material- und Energieeinsatzes pro Produkt, über den gesamten Lebenszyklus.
Besorgniserregende Stoffe
Dokumentationspflicht und teilweise Beschränkungen für SVHC-Stoffe nach REACH (Substances of Concern).
CO2- und Umweltfußabdruck
Product Environmental Footprint (PEF) oder Product Carbon Footprint (PCF), wo methodisch geregelt. Für Eisen und Stahl plant die Kommission Leistungsklassen auf Basis des CO2-Fußabdrucks.
DPP und Informationspflichten
Maschinenlesbare Bereitstellung der relevanten Produktdaten, in der Regel über den Digitalen Produktpass.
Zwei Punkte sind für die Praxis zentral.
Erstens: Die Anforderungen gelten kumulativ. Ein Delegierter Rechtsakt kann mehrere Anforderungen gleichzeitig einführen, etwa Haltbarkeit plus Reparierbarkeit plus DPP. Für Hersteller heißt das, die Compliance ist ein Datenbündel, kein einzelner Prüfnachweis.
Zweitens: Informationsanforderungen und Performance-Anforderungen greifen ineinander. Wer Haltbarkeit nachweisen muss, muss die Nachweisdaten auch strukturiert im DPP bereitstellen. Die technische Erfassung und die organisatorische Datenpflege werden damit zum kritischen Pfad.
Kernpunkt
ESPR-Compliance ist ein Datenbündel aus mehreren parallelen Anforderungen. Ohne integrierte Datenstruktur entsteht in jedem Delegierten Rechtsakt erneut Insel-Arbeit.
Zerstörungsverbot unverkaufter Produkte
Ein eigenes Kapitel der ESPR betrifft die Vernichtung unverkaufter Konsumgüter. Artikel 25 führt erstmals ein direktes Zerstörungsverbot ein, das unabhängig von den produktspezifischen Delegierten Rechtsakten wirkt. Seit dem 19. Juli 2026 dürfen große Unternehmen unverkaufte Bekleidung, Bekleidungszubehör und Schuhe nicht mehr vernichten. Für mittlere Unternehmen gilt das Verbot ab dem 19. Juli 2030, Kleinst- und Kleinunternehmen sind ausgenommen. Nach Angaben der EU-Kommission werden in Europa jedes Jahr schätzungsweise 4 bis 9 Prozent der unverkauften Textilien vernichtet, bevor sie je getragen wurden.
Größenklassen nach EU-Empfehlung 2003/361/EG: Kleinstunternehmen bis 10 Beschäftigte (bis 2 Mio. € Umsatz), Kleinunternehmen bis 50 Beschäftigte (bis 10 Mio. € Umsatz), mittlere Unternehmen bis 250 Beschäftigte (bis 50 Mio. € Umsatz). Alles darüber gilt als großes Unternehmen.
Wann Vernichtung noch zulässig ist
Die Ausnahmen hat die Kommission am 9. Februar 2026 mit der Delegierten Verordnung (EU) 2026/296 festgelegt. Sie gilt ebenfalls seit dem 19. Juli 2026. Vernichtung bleibt danach nur in eng umrissenen Fällen erlaubt, unter anderem:
- wenn das Produkt nicht sicher ist, etwa im Sinne der Produktsicherheitsverordnung (GPSR),
- wenn es Rechte des geistigen Eigentums verletzt, zum Beispiel bei Fälschungen,
- wenn es beschädigt ist und sich nicht mehr wirtschaftlich reparieren lässt,
- wenn Spendenangebote an Organisationen der Sozialwirtschaft nachweislich erfolglos geblieben sind.
Wer sich auf eine Ausnahme beruft, muss sie belegen können. Die Nachweise sind aufzubewahren und den Marktüberwachungsbehörden auf Anfrage vorzulegen. Für die Compliance-Organisation heißt das: Jede Vernichtung braucht eine dokumentierte Begründung auf Produkt- oder Chargenebene, nicht nur eine Sammelbuchung im Lager.
Offenlegungspflicht
Parallel verpflichtet Artikel 24 der ESPR mittlere und große Unternehmen, die unverkaufte Konsumgüter verwerfen, dies jährlich öffentlich zu machen: Anzahl, Gewicht, Gründe und die gewählten Entsorgungswege. Für große Unternehmen gilt die Pflicht bereits, für mittlere ab 2030, Kleinst- und Kleinunternehmen sind ausgenommen. Ein einheitliches Berichtsformat hat die Kommission ebenfalls am 9. Februar 2026 per Durchführungsrechtsakt festgelegt, es ist ab dem Frühjahr 2027 anzuwenden. Diese Daten fließen in EU-weite Kommissionsberichte, auf deren Basis die Kommission per Delegiertem Rechtsakt weitere Produktkategorien ins Zerstörungsverbot aufnehmen kann. Fashion ist nur der Anfang.
Für Unternehmen ist die Konsequenz zweigleisig. Einerseits verändert sich die operative Logistik: Retouren, Überproduktion und Saisonware müssen neu eingesteuert werden, mit Weiterverkauf, Spende oder Recycling statt Vernichtung. Andererseits verschärft sich der Reputationsdruck: Die jährlichen Berichte sind öffentlich. Wer hohe Vernichtungsquoten ausweist, wird von NGOs, Investoren und Medien adressiert. Die strategische Antwort liegt nicht in der Reporting-Technik, sondern in einer Produkt- und Einkaufsplanung, die Überproduktion strukturell reduziert. Was das für Modemarken konkret bedeutet, zeigt die Seite zum Digitalen Produktpass für Textil und Mode.
Kernpunkt
Das Zerstörungsverbot gilt seit Juli 2026 und wirkt unabhängig von produktspezifischen Rechtsakten. Ausnahmen sind eng gefasst und müssen belegt werden. Fashion ist die erste Branche, weitere können über die EU-Berichtspflicht folgen.
Der Delegierte Rechtsakt als zentraler Mechanismus
Die ESPR regelt den Rahmen, der ESPR Delegierte Rechtsakt regelt die konkrete Pflicht. Ohne diesen Mechanismus zu verstehen, lässt sich die Verordnung nicht operativ planen.
Ein Delegierter Rechtsakt ist ein sekundärer EU-Rechtsakt, den die EU-Kommission auf Basis einer Ermächtigung im Basisrechtsakt erlassen darf. Bei der ESPR heißt das: Die Kommission darf pro Produktkategorie festlegen, welche Ökodesign-Anforderungen gelten, welche Datenpunkte im DPP erscheinen müssen, welche Grenzwerte zu erfüllen sind und wie die Prüfung abläuft. Rat und Europäisches Parlament können den Rechtsakt innerhalb einer Frist ablehnen, verändern können sie ihn nicht. Das beschleunigt die Rechtssetzung erheblich.
Neben den Delegierten Rechtsakten gibt es Implementing Acts (Durchführungsrechtsakte), die die technische Umsetzung regeln. Das prominenteste Beispiel ist die Durchführungsverordnung (EU) 2026/1778, die den Betrieb der seit Juli 2026 laufenden EU-Registry für Digitale Produktpässe regelt (anwendbar seit 6. August 2026).
Der Ablauf hat vier Stufen. Zunächst priorisiert die EU-Kommission Produktkategorien im sogenannten Arbeitsplan (Working Plan). Der erste Arbeitsplan für 2025 bis 2030 wurde am 16. April 2025 veröffentlicht. Darauf aufbauend lässt die Kommission eine vorbereitende Studie erstellen und konsultiert Industrie, Mitgliedstaaten und Stakeholder, unter anderem über eine öffentliche Aufforderung zur Stellungnahme und das Ökodesign-Forum. Dann erarbeitet sie den Delegierten Rechtsakt für die konkrete Produktgruppe. Nach Verabschiedung und Prüfung durch Rat und Parlament läuft im Regelfall eine Übergangsfrist von mindestens 18 Monaten, bevor die Anforderungen verbindlich greifen. Kürzere Fristen sind nur in begründeten Fällen vorgesehen, längere sind möglich.
Für die Planung im Unternehmen hat der Mechanismus drei Folgen.
Erstens: Wer betroffen ist, kennt das Datum. Sobald der Delegierte Rechtsakt veröffentlicht ist, ist die Frist fest. Statt darauf zu warten, lassen sich heute schon zentrale Vorbereitungsschritte umsetzen, etwa der Aufbau der Datenstruktur und die Entscheidung über Datenträger.
Zweitens: 18 Monate sind in Produktionszyklen ein straffer Zeitplan. Wer Datenlandschaft, Lieferantenanbindung und Systemintegration parallel zur Verabschiedung des Rechtsakts vorbereitet, gewinnt Spielraum. Wer erst danach startet, arbeitet ohne Puffer.
Drittens: Die Konsultation ist das eigentliche Frühwarnsignal. Der Working Plan nennt indikative Jahre, die Aufforderung zur Stellungnahme zeigt, welche Anforderungen die Kommission konkret prüft. Beim Rechtsakt für Eisen und Stahl lagen zwischen Konsultationsstart und angestrebter Annahme rund sechs Monate.
Kernpunkt
Der Delegierte Rechtsakt ist die operative Schaltstelle der ESPR. Wer Working Plan und Konsultationen verfolgt, sieht deutlich vor dem Stichtag, welche Daten gefordert werden.
Stand der Umsetzung 2026: Was bereits gilt und was als Nächstes kommt
2026 ist das Jahr, in dem die ESPR vom Rahmen zur Praxis wird. Drei Bausteine sind seit dem Sommer verbindlich: das Zerstörungsverbot, die EU-Registry und die ersten harmonisierten DPP-Normen. Die produktspezifischen Pflichten stehen dagegen noch aus. Die folgende Übersicht zeigt den Stand im Oktober 2026.
| Datum | Meilenstein | Was es für dich bedeutet |
|---|---|---|
| 16.04.2025 | Erster ESPR-Arbeitsplan 2025–2030 veröffentlicht | Prioritäten und indikative Jahre je Produktgruppe sind bekannt |
| 09.02.2026 | Delegierte Verordnung (EU) 2026/296 zu Ausnahmen vom Zerstörungsverbot, Durchführungsrechtsakt zum Offenlegungsformat | Klare Regeln, wann Vernichtung noch zulässig ist und wie berichtet wird |
| bis 25.06.2026 | CEN-CENELEC veröffentlicht EN 18216 und EN 18219 bis EN 18223, zunächst ohne Listung im Amtsblatt | Technische Basis für Kennungen, Datenträger, Speicherung, Schnittstellen und Interoperabilität, noch ohne Konformitätsvermutung |
| 19.05.–12.08.2026 | Konsultation zum Delegierten Rechtsakt für Eisen und Stahl | Erste Einblicke in einen produktspezifischen ESPR-Rechtsakt |
| 15.07.2026 | Durchführungsbeschluss (EU) 2026/1736 listet die sechs Normen im Amtsblatt | Normkonforme Umsetzung begründet die Vermutung der Konformität mit den DPP-Anforderungen der ESPR, soweit die Normen sie abdecken |
| 16.07.2026 | Durchführungsverordnung (EU) 2026/1778 zur EU-Registry, Registry seit Juli 2026 in Betrieb | Wirtschaftsakteure können sich verifizieren und registrieren |
| 19.07.2026 | Zerstörungsverbot gilt für große Unternehmen | Bekleidung, Bekleidungszubehör und Schuhe dürfen nur noch in Ausnahmefällen vernichtet werden |
| Q4 2026 (angestrebt) | Annahme des Delegierten Rechtsakts für Eisen und Stahl | Erster produktspezifischer ESPR-Rechtsakt mit DPP-Pflicht |
| 18.02.2027 | Batteriepass verpflichtend (Batterieverordnung) | Erste DPP-Pflicht in der Breite, Testfall für Registry und Normen |
| Frühjahr 2027 | Einheitliches Format für die Offenlegung vernichteter Produkte | Berichte großer Unternehmen folgen einem EU-Format |
| 2027 (indikativ) | Rechtsakte für Textilien, Reifen, Aluminium und horizontale Reparierbarkeit | Zweite Welle laut Arbeitsplan |
Quellen: ESPR-Arbeitsplan 2025–2030, Delegierte Verordnung (EU) 2026/296, CEN-CENELEC zu den DPP-Normen, Durchführungsbeschluss (EU) 2026/1736, Durchführungsverordnung (EU) 2026/1778. Indikative Termine können sich verschieben.
Die EU-Registry für Digitale Produktpässe
Die Registry ist kein zentraler Datenspeicher für Produktpässe. Sie verzeichnet die eindeutige Produktkennung, den verantwortlichen Wirtschaftsakteur, gegebenenfalls den Warencode und einen Prüfwert der jeweiligen Passversion. Die eigentlichen Passdaten bleiben beim Unternehmen bzw. seinem DPP-Dienstleister. Registrieren dürfen nur verifizierte Wirtschaftsakteure, die Identität wird über eIDAS-konforme Verfahren wie qualifizierte elektronische Siegel nachgewiesen. Für Importe ist die Registry mit dem Zoll verknüpft: Bei der Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr werden Produktkennung und Warencode abgeglichen.
Wichtig für die Einordnung: Die Durchführungsverordnung schafft keine eigene DPP-Pflicht. Ob und ab wann ein Produkt registriert werden muss, ergibt sich weiterhin aus dem jeweiligen Rechtsakt, also aus der Batterieverordnung oder einem ESPR-Rechtsakt. Die Verifizierung des eigenen Unternehmens ist aber schon heute möglich. Wie die Registry funktioniert und was du jetzt vorbereiten kannst, zeigt die Seite zur EU DPP Registry.
Die harmonisierten DPP-Normen
Sechs Normen aus dem JTC 24 sind seit dem 15. Juli 2026 im Amtsblatt der EU gelistet (CEN-CENELEC): EN 18216 (Datenaustauschprotokolle), EN 18219 (eindeutige Kennungen), EN 18220 (Datenträger), EN 18221 (Speicherung, Archivierung, Datenbeständigkeit), EN 18222 (Schnittstellen für Lebenszyklus-Management und Auffindbarkeit) und EN 18223 (Systeminteroperabilität). Noch nicht gelistet sind die Normen zu Zugriffsrechten und Vertraulichkeit (EN 18239) sowie zu Authentizität und Integrität der Daten (EN 18246). Was jede der acht Normen festlegt, steht in der Übersicht zu den DPP-Standards.
Für die Systemauswahl ist das der wichtigste Fortschritt des Jahres: Ob eine DPP-Lösung normkonform arbeitet, ist jetzt prüfbar und keine Behauptung mehr. Thomas Rödding, Gründer und CEO von Narravero, engagiert sich als Privatperson als Co-Chair im JTC 24, dem Gremium, das diese Normen erarbeitet hat.
Der erste produktspezifische Rechtsakt: Eisen und Stahl
Die Konsultation der Kommission zu Eisen und Stahl lief vom 19. Mai bis zum 12. August 2026. Laut Konsultationsunterlagen prüft die Kommission Informationspflichten zu CO2-Fußabdruck, Rezyklatanteil und Stoffen, die das Recycling erschweren, dazu Leistungsklassen und Mindestanforderungen auf Basis des CO2-Fußabdrucks sowie einen Digitalen Produktpass für alle Akteure der Lieferkette. Die Annahme ist für das vierte Quartal 2026 angestrebt.
Auch wer keinen Stahl herstellt, sollte diesen Rechtsakt lesen. Er zeigt, wie die Kommission Performance- und Informationsanforderungen kombiniert, und er betrifft als Vorprodukt die Lieferketten von Maschinenbau, Möbeln, Elektro und Bau.
Realistisch planen: Der erste ESPR-Rechtsakt, die Ausnahmen vom Zerstörungsverbot, war bis Juli 2025 fällig und wurde im Februar 2026 angenommen. Indikative Termine im Arbeitsplan haben sich also bereits verschoben. Ein Grund zum Abwarten ist das nicht: Die Übergangsfrist beginnt erst mit der Annahme, die Vorbereitungszeit im Unternehmen verkürzt sich dadurch nicht.
Kernpunkt
Registry, Normen und Zerstörungsverbot sind seit Sommer 2026 Realität. Die produktspezifischen Pflichten folgen ab Ende 2026, beginnend mit Eisen und Stahl.
ESPR Produktkategorien und Zeitplan
Der erste ESPR-Arbeitsplan (April 2025) priorisiert Produktgruppen für die ersten Delegierten Rechtsakte und nennt dafür indikative Jahre. Daneben greifen mehrere industriespezifische Verordnungen mit eigenen DPP-Pflichten, die nicht über einen ESPR-Rechtsakt aktiviert werden, sondern direkt aus der jeweiligen Verordnung kommen. Die folgende Tabelle zeigt beides. Die Spalte "Pflicht voraussichtlich" ist für ESPR-Produktgruppen eine Schätzung auf Basis der Mindest-Übergangsfrist von 18 Monaten.
| Produktgruppe | Rechtsgrundlage | Rechtsakt laut Arbeitsplan / Stand | Pflicht voraussichtlich |
|---|---|---|---|
| Zerstörungsverbot Bekleidung & Schuhe | ESPR Art. 25, Delegierte VO (EU) 2026/296 | gilt | seit 19.07.2026 (große Unternehmen), 19.07.2030 (mittlere) |
| Batterien | Batterieverordnung (EU) 2023/1542 | direkt geregelt | 18.02.2027 (fix) |
| Eisen und Stahl | ESPR | 2026, Annahme für Q4 2026 angestrebt | ca. 2028 |
| Textilien und Bekleidung | ESPR | 2027 | ca. 2029 |
| Reifen | ESPR | 2027 | ca. 2029 |
| Aluminium | ESPR | 2027 | ca. 2029 |
| Reparierbarkeit (horizontal, Umfang offen, u. a. Unterhaltungselektronik und kleine Haushaltsgeräte im Gespräch) | ESPR | 2027 | ca. 2029 |
| Möbel | ESPR | 2028 | ca. 2030 |
| Matratzen | ESPR | 2029 | ca. 2031 |
| Rezyklatgehalt und Recyclingfähigkeit von Elektro- und Elektronikgeräten (horizontal) | ESPR | 2029 | ab ca. 2031 |
| Energieverbrauchsrelevante Produkte (z. B. Geschirrspüler, Kühlgeräte, Elektromotoren, Smartphones und Tablets) | Bestehende Ökodesign-Maßnahmen und Energielabel, Überarbeitung unter der ESPR | gestaffelt 2026 bis 2030 | je Produktgruppe |
| Verpackungen | Verpackungsverordnung (EU) 2025/40 | direkt geregelt, digitale Kennzeichnung statt DPP | Kennzeichnungspflichten voraussichtlich ab 2028 |
| Waschmittel | Detergenzienverordnung (EU) 2026/405 | direkt geregelt | 23.09.2029 |
| Bauprodukte | Bauprodukteverordnung (EU) 2024/3110 | eigene Delegierte Rechtsakte je Produktfamilie | noch offen, abhängig von den Delegierten Rechtsakten |
| Spielzeug | Spielzeugverordnung (EU) 2025/2509 | direkt geregelt | 01.08.2030 |
Quellen: ESPR-Zeilen nach dem ESPR-Arbeitsplan 2025–2030 (COM(2025) 187). Die dort genannten Jahre sind indikativ, verbindlich wird eine Pflicht erst mit dem jeweiligen Delegierten Rechtsakt. Parallelregelwerke: jeweils verlinkte Verordnung auf EUR-Lex. Stand: Oktober 2026.
Zwei Punkte werden in der Praxis häufig falsch eingeordnet. Elektronik bekommt im aktuellen Arbeitsplan keinen eigenen produktspezifischen ESPR-Rechtsakt. Sie wird über horizontale Anforderungen (Reparierbarkeit 2027, Recyclingfähigkeit 2029) und über die Überarbeitung bestehender Ökodesign- und Energielabel-Maßnahmen erfasst. Und Schuhe sind zwar vom Zerstörungsverbot betroffen, stehen aber nicht auf der Prioritätenliste für einen eigenen Ökodesign-Rechtsakt.
Ein verbreitetes Missverständnis sollte man hier direkt entkräften. Wer nicht in der ersten Welle steht, zieht daraus oft den Schluss, es sei noch nichts zu tun. Das stimmt formal, ist operativ aber gefährlich. Die Implementierungszeit für eine vollständige ESPR-Compliance einschließlich DPP liegt in der Praxis bei 6 bis 12 Monaten. Wer 2029 pflichtig ist und erst nach Veröffentlichung des Rechtsakts 2027 anfängt, hat kaum Puffer. Wer jetzt startet, hat Zeit für einen strategischen Aufbau, der über das Pflichtminimum hinausgeht.
Branchenspezifische Einstiegspunkte mit konkreten Anforderungen und Beispielen gibt es für Batterie- und Energiespeicherhersteller, Textil- und Modeindustrie, Möbelindustrie, Elektro- und Elektronikindustrie, Bauprodukte und Spielzeug.
Kernpunkt
Erste Welle heißt Pflichten ab etwa 2028 (Stahl) und 2029 (Textil, Reifen, Aluminium), zweite Welle ab 2030. Die Implementierungszeit verschiebt sich dabei nicht. Späterer Stichtag heißt nicht weniger Vorbereitung.
Bist du betroffen?
Die ESPR adressiert jeden Wirtschaftsakteur, der physische Produkte in der EU in Verkehr bringt oder in Betrieb nimmt. Sitz in der EU ist keine Voraussetzung. Entscheidend ist der Marktzugang, nicht der Firmensitz.
Die Verordnung unterscheidet zwischen mehreren Rollen. Hersteller mit Sitz in der EU sind primär verantwortlich. Importeure übernehmen die Verantwortung für Produkte aus Drittstaaten. Bevollmächtigte Vertreter von Herstellern aus Drittstaaten gelten als Inverkehrbringer im EU-Markt. Fulfillment-Dienstleister werden als Wirtschaftsakteur erfasst, wenn sie als letzte Instanz vor dem Inverkehrbringen agieren. Händler sind mit verantwortlich, Produkte ohne gültige Ökodesign-Dokumentation nicht zu listen.
Schnell-Check
Drei Fragen zur Selbsteinordnung:
- Bringst du physische Produkte im EU-Markt in Verkehr, direkt oder über Händler, Plattformen, B2B-Distributoren?
- Fällt deine Produktkategorie in den ESPR-Arbeitsplan, unter das Zerstörungsverbot oder in einen parallelen Rechtsakt (Batterie, PPWR, Bauprodukte, Spielzeug)?
- Bist du Hersteller, Importeur, Bevollmächtigter oder Fulfillment-Dienstleister im regulatorischen Sinn?
Wer alle drei mit Ja beantwortet, ist betroffen. Die offene Frage ist nur noch der konkrete Stichtag.
Auch B2B-Geschäftsmodelle sind voll erfasst. Die ESPR kennt keine Unterscheidung zwischen Konsumenten- und Geschäftskunden-Produkten. Wer Komponenten, Maschinen oder Industrieprodukte liefert, kann je nach Produktkategorie genauso betroffen sein wie ein Markenartikler im Einzelhandel. Der Rechtsakt für Eisen und Stahl zeigt das deutlich: Er richtet sich an Zwischenprodukte, die nie ein Endkunde sieht.
Konformität und Marktüberwachung. Die ESPR ist in die Logik der CE-Konformität und des New Legislative Framework eingebettet. Inverkehrbringer müssen eine technische Dokumentation pflegen, eine EU-Konformitätserklärung ausstellen und die Konformität ihrer Produkte gegenüber den nationalen Marktüberwachungsbehörden nachweisen können. Die Behörden können Stichproben, Audits und Marktüberwachungsmaßnahmen anordnen, bei Nichtkonformität reichen die Sanktionen von Bußgeldern über Vertriebsverbote bis zur Marktrücknahme. Bei Importen kommt der Zoll hinzu, der über die EU-Registry Produktkennungen und Warencodes abgleichen kann. Der DPP wird in vielen Produktgruppen Teil dieser Konformitätsdokumentation.
Kernpunkt
Marktzugang ist das maßgebliche Kriterium, nicht der Firmensitz. B2B-Hersteller, Importeure und Plattformen sind gleichermaßen in der Pflicht – inklusive technischer Dokumentation und Nachweis gegenüber Marktüberwachung und Zoll.
ESPR, Batterieverordnung und DPP: Wie gehört das zusammen?
Der DPP ist das Hauptinstrument der ESPR, aber er ist nicht die einzige Ökodesign-Anforderung. Und umgekehrt: Die ESPR ist nicht die einzige Rechtsgrundlage für den DPP. Sektorale Verordnungen wie die EU-Batterieverordnung haben eigene DPP-Ausprägungen. Wer das Verhältnis klar versteht, vermeidet doppelte Strukturen bei der Umsetzung.
Auf der regulatorischen Ebene gilt: Die ESPR ist der horizontale Rahmen für Ökodesign. Sie führt den DPP für nahezu alle Produktgruppen ein, die nicht bereits durch industriespezifische Regulatorik erfasst sind. Die EU-Batterieverordnung (VO 2023/1542) ist der erste industriespezifische Rechtsakt mit eigener DPP-Ausprägung, dem Batteriepass. Daneben enthalten die Bauprodukteverordnung, die Detergenzienverordnung und die Spielzeugverordnung eigene DPP-Pflichten, die direkt aus der jeweiligen Verordnung kommen. Die PPWR regelt mit der digitalen Verpackungskennzeichnung ein verwandtes Instrument, aber keinen Digitalen Produktpass.
Auf der Systemebene setzen alle DPP-Ausprägungen auf die gleiche Infrastruktur. Seit Juli 2026 ist das keine Absichtserklärung mehr: Die EU-Registry ist für Produktpässe aus ESPR, Batterie-, Bauprodukte-, Spielzeug- und Detergenzienverordnung ausgelegt, soweit der jeweilige Rechtsakt die Registrierung für eine Produktgruppe vorschreibt, und die harmonisierten Normen EN 18216 und EN 18219 bis EN 18223 beschreiben Kennungen, Datenträger, Speicherung, Schnittstellen und Interoperabilität für alle Produktgruppen gleich. Erarbeitet hat sie das Joint Technical Committee 24 (JTC 24) von CEN-CENELEC. Thomas Rödding, Gründer und CEO von Narravero, engagiert sich dort als Privatperson, nicht in seiner Rolle als CEO, als Co-Chair und parallel als Vice Chairman bei DIN.
Für die Praxis folgen daraus drei Regeln.
Erstens: Punktlösungen nur für eine Industrie werden bei Ausweitung durch weitere Delegierte Rechtsakte ein zweites Mal angefasst.
Zweitens: Wer einen Batteriepass baut, baut die technische Grundlage für spätere ESPR-DPPs gleich mit: dieselbe Registry, dieselben Normen, dieselbe Verifizierung.
Drittens: Neben dem DPP regelt die ESPR Performance-Anforderungen an Produkte selbst, also Designentscheidungen für Haltbarkeit, modulare Reparierbarkeit, Materialwahl und Recyclingfähigkeit. Diese Themen werden im Produktentstehungsprozess gelöst, der DPP macht die Ergebnisse dann strukturiert sichtbar.
Die Gesamtperspektive auf den DPP findest du unter Digitaler Produktpass, die industriespezifische Umsetzung für Batterien unter Batteriepass.
Kernpunkt
Der DPP ist das Hauptinstrument der ESPR. Registry und Normen sind für alle DPP-Rechtsakte dieselben. Wer einmal sauber aufbaut, nutzt die Infrastruktur für jede weitere Pflicht.
ESPR, Energielabel und European Product Act: die Abgrenzung
Rund um die ESPR laufen mehrere Regelwerke parallel, die in der Praxis oft vermischt werden. Für die Planung ist die Abgrenzung wichtig, weil sich daraus ergibt, welche Pflichten heute schon gelten und welche Datenstrukturen mehrfach genutzt werden können.
| Regelwerk | Stand | Verhältnis zur ESPR |
|---|---|---|
| Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG | Bestehende Durchführungsmaßnahmen gelten weiter | Die Produktverordnungen, etwa für Kühlgeräte, Waschmaschinen oder Smartphones, bleiben wirksam, bis sie durch ESPR-Rechtsakte ersetzt werden |
| Energielabel-Verordnung (EU) 2017/1369 | Gilt, mit Produktdatenbank EPREL | Eigenständiges Instrument. Die Kommission plant Ökodesign und Energielabel in einem gemeinsamen Arbeitsplan |
| EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825 | EU-weit anzuwenden seit 27.09.2026, Umsetzung über nationales Recht | Regelt Umweltaussagen gegenüber Verbrauchern. Schreibt keinen DPP vor, nutzt aber weitgehend dieselben Produktdaten |
| European Product Act | Politisch angekündigt, noch kein Kommissionsvorschlag (erwartet bis Ende 2026), keine Rechtswirkung | Soll das allgemeine Produktrecht (New Legislative Framework, Marktüberwachung, Normung) modernisieren. Laut bekannt gewordenem Entwurf soll der DPP horizontal verankert werden. Die inhaltlichen Ökodesign-Anforderungen bleiben in der ESPR |
Beim European Product Act lohnt der Blick nach vorn. Die Vorstellung war für den 6. Oktober 2026 geplant und wurde verschoben, damit die Kommission die allgemeinen Regeln gemeinsam mit Anpassungen der sektoralen Gesetze vorlegen kann. Bis zur Einigung in Parlament und Rat entstehen daraus keine Pflichten, für die ESPR-Umsetzung ändert sich kurzfristig nichts. Sollte der Vorschlag dem bekannt gewordenen Entwurf folgen, würden Produktidentität, Konformitätsnachweise und Registrierung für deutlich mehr Produkte gelten als heute, unabhängig davon, ob es für sie einen Ökodesign-Rechtsakt gibt.
Kernpunkt
Die ESPR regelt, was ein Produkt leisten und welche Daten es mitführen muss. Energielabel, EmpCo und der kommende European Product Act greifen auf dieselbe Datenbasis zu. Wer sie einmal sauber strukturiert, bedient alle.
Herausforderungen in der Umsetzung
Unternehmen, die mit der ESPR-Vorbereitung beginnen, stoßen typischerweise auf vier Kernprobleme. Keines davon ist rein technisch, aber alle haben technische Konsequenzen.
Datenverfügbarkeit aus der Lieferkette
Ökodesign-Anforderungen setzen voraus, dass Daten zu Materialien, Herkunft, CO2-Fußabdruck und Haltbarkeit entlang der Wertschöpfungskette strukturiert vorliegen. In der Praxis liegen sie bei Vorlieferanten, oft in Excel oder gar nicht. Der Datenaustausch zwischen OEM und Zulieferern muss neu organisiert werden, oft über Rahmenwerke wie Catena-X oder GS1 Digital Link. Punktlösungen auf OEM-Seite scheitern, wenn die Lieferanten nicht angebunden sind.
Heterogenität der Anforderungen über Produktkategorien
Ein Unternehmen mit mehreren Produktlinien fällt meist unter mehrere Delegierte Rechtsakte, die sich in Anforderungstiefe und Fristen unterscheiden. Die Compliance-Organisation muss diese Heterogenität abbilden, ohne pro Produktgruppe ein eigenes Tool einzuführen. Das geht nur über eine horizontale Plattform, die produktgruppenspezifische Anforderungen parametrisieren kann.
Governance und Verantwortlichkeiten
Wer verantwortet die Datenqualität pro Produkt? Wer aktualisiert Einträge bei Produktänderungen? Wer hält die Compliance über 10 bis 15 Jahre Produktlebensdauer stabil? Wer verifiziert das Unternehmen in der EU-Registry und verwaltet die Zugänge? Diese Fragen sind nicht technisch, aber sie entscheiden, ob ein Projekt skaliert oder als Einzellösung endet. Compliance-Verantwortliche sollten Governance früh klären, idealerweise vor der Plattformauswahl.
Integration in bestehende Systeme
Produktdaten liegen heute in ERP, PIM, PLM, MES, QS- und Dokumentensystemen. Die ESPR-Compliance muss diese Quellen konsolidieren, nicht ersetzen. Die Integrationstiefe ist die Hauptleistung, die bei der Plattformauswahl zu prüfen ist. Wer hier oberflächlich vergleicht, zahlt später doppelt: einmal für die Tool-Lizenz, einmal für die nachträgliche Integration.
Die gute Nachricht: Diese Hürden sind nicht neu. Narravero betreut inzwischen über 200 Unternehmenskunden aus 12 Branchen, die genau diese Fragen bereits beantwortet haben. Es gibt erprobte Muster.
Kernpunkt
Der kritische Pfad der ESPR-Umsetzung liegt nicht in der Technologie, sondern in Datenverfügbarkeit, Governance und Heterogenität der Anforderungen.
Der 5-Schritte-Fahrplan
Die ESPR-Stichtage klingen weit weg, sind in Projektzyklen aber eng. Der folgende Fahrplan richtet sich an Compliance- und Unternehmensverantwortliche, die in den nächsten 9 bis 12 Monaten handlungsfähig werden wollen.
Bevor du in die fünf Schritte einsteigst: Vieles lässt sich heute schon vorbereiten, ohne auf finale Delegierte Rechtsakte zu warten. Seit Registry und Normen stehen, ist die linke Spalte sogar länger geworden. Die folgende Quick-Reference zeigt die Trennlinie zwischen Vorarbeiten, die ohne finalen Rechtsakt möglich sind, und Detailfestlegungen, die einen finalen Delegierten Rechtsakt voraussetzen.
| Heute schon starten | Erst mit finalem Delegierten Rechtsakt festlegbar |
|---|---|
| Produktportfolio nach ESPR-Kategorien mappen | Verbindliche Datenmodelle pro Produktgruppe |
| Datenarchitektur in ERP, PIM und PLM prüfen | Endgültige Pflichtdatenpunkte je Kategorie |
| Lieferanten klassifizieren und Datenabfragen vorbereiten | Detaillierte Schwellenwerte, Leistungsklassen und Prüfverfahren |
| Kennungen und Datenträger nach EN 18219 und EN 18220 auslegen, Serialisierungslogik vorbereiten | Verpflichtender Datenträger und Granularität (Modell, Charge, Einzelstück) je Produktgruppe |
| Unternehmen in der EU-Registry verifizieren lassen (eIDAS-konforme Identität) | Registrierung der Produktpässe je Produktgruppe |
| Governance, Verantwortlichkeiten und Rollout-Reihenfolge festlegen | Zugriffsrechte je Akteursgruppe und sektorenspezifische Sonderregeln |
Wer die linke Spalte heute angeht, verkürzt die Umsetzungszeit nach Veröffentlichung des Delegierten Rechtsakts deutlich – ohne Risiko, falsche Festlegungen zu treffen.
Regulatorische Betroffenheit klären
Welche Produktkategorien bringst du im EU-Markt in Verkehr? Welche sind im ESPR-Arbeitsplan, im Zerstörungsverbot oder in parallelen Rechtsakten (Batterie, PPWR, Bauprodukte, Spielzeug) adressiert? Welchen Status hat der jeweilige Rechtsakt (Arbeitsplan, Konsultation, Entwurf, verabschiedet)? Ergebnis: eine Produktmatrix mit Pflichtstand und Stichtag pro Kategorie.
Anforderungs-Mapping
Je Produktkategorie die relevanten Anforderungen auflisten: Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit, Rezyklatgehalt, besorgniserregende Stoffe, DPP-Datenpunkte. Bewährte Praxis: Zerlegung in vier Tranchen zu je rund 25 Datenpunkten, statt alle gleichzeitig anzugehen.
Datenlandschaft kartieren
Welche Daten liegen heute wo (ERP, PIM, PLM, Lieferanten)? Welche sind maschinenlesbar, welche in PDFs, welche gar nicht? Typisches Ergebnis: 40 bis 60 Prozent der Pflichtdaten sind vorhanden, aber fragmentiert. 20 bis 30 Prozent fehlen komplett.
Plattform- und Partnerentscheidung
Punktlösung oder Plattform? Kriterien: EU-Hosting, DSGVO-Konformität, Schnittstellen zu ERP, PIM, PLM, MES, rollenbasierte Zugriffe, Konformität mit den harmonisierten DPP-Normen (EN 18216 ff.), Anbindung an die EU-Registry. Wer heute auf eine reine Insellösung setzt, zahlt bei der nächsten ESPR-Welle doppelt.
Rollout über das gesamte Sortiment
Setze Datenstruktur, Kennungen und Prozesse von Anfang an für das ganze Sortiment auf, nicht nur für eine einzelne Produktgruppe. So entsteht eine einheitliche Basis, und jede weitere Pflicht trifft auf eine Struktur, die bereits steht. Wo die Datenlage je Produktgruppe unterschiedlich weit ist, gehen die Gruppen nacheinander live, auf derselben Grundlage.
Die Reihenfolge ist wichtig. Wer mit der Plattformauswahl beginnt, bevor die Betroffenheit klar ist, trifft blind eine langfristige Entscheidung. Wer Datenaufnahme startet, bevor das Anforderungs-Mapping steht, produziert Leerlauf.
Kernpunkt
Betroffenheit, Anforderungen, Daten, Plattform, Rollout. In dieser Reihenfolge wird ein 18-Monats-Zeitfenster zum Korridor mit Puffer.
Umsetzen mit der Narravero DPP-Plattform
Die Narravero DPP-Plattform ist die Infrastruktur für Produktdaten, auf der du regulatorische Anforderungen umsetzt und die das Produkt gleichzeitig zum direkten Kommunikationskanal zwischen Marke und Kunde macht. Du musst keine eigene Compliance-Architektur aufbauen und keine ESPR-Software selbst entwickeln. Wir liefern die produktiv lauffähige Plattform und begleiten dich bei der Umsetzung. Den 5-Schritte-Fahrplan oben gehst du nicht allein, sondern mit uns als Partner.
Was wir konkret abnehmen
Entlang der fünf Schritte des Fahrplans übernehmen wir genau die Aufgaben, die intern den größten Aufbau bedeuten würden.
Schritt 1+2
Einordnung und Vorbereitung
Wir ordnen mit dir ein, welche Produktgruppen und Rechtsakte dich betreffen und wo sie im Verfahren stehen. Solange die Pflichtdatenpunkte nicht feststehen, konzentrieren wir uns auf das, was sich heute schon vorbereiten lässt: Produktidentität, Datenträger, Datenquellen und Verantwortlichkeiten.
Schritt 3
Offene Schnittstellen
Über die offene API bindest du ERP-, PIM- und PLM-Systeme an. Du behältst die Datenhoheit.
Schritt 4
Plattform statt Eigenbau
QR-Code und GS1 Digital Link, Rollen und Rechte, eine revisionssichere Versionshistorie und EU-Hosting sind Teil der Plattform. Neue Rechtsakte bilden wir in der Plattform ab, sobald ihre Datenanforderungen feststehen.
Schritt 5
Begleitung beim Rollout
Wir bringen Best Practices aus über 200 Kundenprojekten in 12 Branchen ein, für den Rollout über das gesamte Sortiment. Du behältst die Implementierungs-Hoheit, wir bringen die Erfahrung.
Die regulatorische Verantwortung bleibt beim Inverkehrbringer, also bei dir. Wir liefern die Plattform und begleiten die Umsetzung. Das ist der Unterschied zwischen einer Eigenentwicklung und einer DPP-Plattform-Partnerschaft.
Was die Narravero DPP-Plattform auszeichnet
Ein Fundament für mehrere Rechtsakte. Produktidentität, Datenträger, Schnittstellen und Zugriffsrechte sind für alle DPP-Rechtsakte gleich. Wer sie einmal sauber aufsetzt, ergänzt bei einem neuen Rechtsakt die geforderten Datenpunkte, statt ein neues Projekt zu starten. Sobald ein Rechtsakt seine Datenanforderungen festlegt, bilden wir sie in der Plattform ab. Du musst dafür nicht selbst programmieren.
Sofort startklar. Produktpässe lassen sich direkt erstellen, ohne vorherige Vollintegration. Über offene Schnittstellen ist die Plattform zügig skalierbar. Als offizieller GS1 Germany Solution Partner ist maximale Interoperabilität sichergestellt.
Das Produkt als Kommunikationskanal. Über den DPP wird das physische Produkt zum direkten Draht zum Kunden: Storytelling, Personalisierung, Nachkaufservice, Kundenbindung und Produktdaten-Analyse. Maschinenlesbare Inhalte sind dabei die Voraussetzung für Sichtbarkeit in KI-gestützten Beschaffungs- und Suchsystemen.
Production-Proof statt Pilot-Versprechen. Über 200 Unternehmenskunden aus 12 Branchen nutzen die Plattform heute. Sie verarbeitet 300 Millionen Zugriffe auf der Narravero Plattform pro Monat, im Schnitt rund 10 Millionen pro Tag, gehostet in der EU, vollständig DSGVO-konform. Marken wie B&W International (Spezialkoffer) und COR (Premium-Möbel) nutzen die Plattform nicht nur für Compliance, sondern für Customer Engagement, Garantieabwicklung und After-Sales-Direktkanäle.
So läuft der Einstieg
Zwei Optionen, je nachdem, wo du stehst. Wenn du noch einsortierst, was ESPR konkret für dein Unternehmen bedeutet, ist das strategische Beratungsgespräch der richtige Einstieg. Wenn du die Plattform selbst sehen willst, ist die Live-Demo passender.
Strategisches Beratungsgespräch
In 30 Minuten einordnen, wo dein Unternehmen steht
Wir ordnen gemeinsam ein, welche Produktkategorien bei dir wann pflichtig werden, welche Schritte für deine Produktwelt konkret anstehen und wie ein kontrollierter Einstieg in den Digitalen Produktpass aussehen kann.
Beratungsgespräch anfragenLive-Demo der Plattform
Einen fertigen Produktpass in Aktion sehen
Wir zeigen dir live, wie ein fertiger Produktpass für ein konkretes Produkt aussieht, welche Daten dahinterstecken und wie deine Kunden ihn am Produkt erleben.
Live-Demo buchenHäufige Fragen zur ESPR
Was ist die ESPR?
Die ESPR ist die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte der EU, rechtlich Verordnung (EU) 2024/1781. Sie ersetzt die Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG und weitet den Rahmen auf nahezu alle physischen Produkte im EU-Markt aus. Die konkreten Anforderungen werden pro Produktkategorie über Delegierte Rechtsakte festgelegt.
Was bedeutet die ESPR Abkürzung?
ESPR steht für Ecodesign for Sustainable Products Regulation. Im Deutschen heißt sie Ökodesign-Verordnung oder EU-Ökodesign-Verordnung. Der Begriff ESPR regulation oder Ecodesign regulation bezeichnet denselben Rechtsakt im englischen Sprachraum.
Ab wann gilt die Ökodesign-Verordnung?
Die ESPR selbst ist seit dem 18. Juli 2024 in Kraft. Seit dem 19. Juli 2026 gilt das Zerstörungsverbot für unverkaufte Bekleidung und Schuhe bei großen Unternehmen. Produktspezifische Pflichten greifen gestaffelt nach Veröffentlichung des jeweiligen Delegierten Rechtsakts: als Erstes voraussichtlich für Eisen und Stahl (Rechtsakt für Ende 2026 angestrebt), danach laut Arbeitsplan für Textilien, Reifen und Aluminium mit Pflichten etwa ab 2029 sowie für Möbel und Matratzen ab etwa 2030. Der Batteriepass ist nach der Batterieverordnung ab 18. Februar 2027 verpflichtend.
Was ist ein ESPR Delegierter Rechtsakt?
Ein Delegierter Rechtsakt ist ein sekundärer EU-Rechtsakt, mit dem die Kommission die konkreten Ökodesign-Anforderungen pro Produktkategorie festlegt. Er wird auf Basis der ESPR erlassen und gilt in der Regel nach einer Übergangsfrist von mindestens 18 Monaten direkt in allen EU-Mitgliedstaaten.
Welche Produkte sind von der ESPR ausgenommen?
Explizit ausgenommen sind Lebensmittel, Futtermittel, Arzneimittel und Tierarzneimittel, lebende Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen, Erzeugnisse menschlichen Ursprungs sowie Erzeugnisse, die mit der Reproduktion von Pflanzen und Tieren in direktem Zusammenhang stehen. Fahrzeuge werden über eigene Rechtsakte geregelt. Alle anderen physischen Produktkategorien können über Delegierte Rechtsakte reguliert werden.
Was hat die ESPR mit dem Digitalen Produktpass zu tun?
Der Digitale Produktpass ist eine der Informationsanforderungen, die die ESPR pro Produktkategorie vorschreiben kann. ESPR und DPP sind nicht identisch: Die ESPR regelt Ökodesign-Anforderungen (Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit und weitere), der DPP ist das Instrument, über das Teile dieser Informationen strukturiert bereitgestellt werden.
Was ist die EU-Registry für Digitale Produktpässe?
Die EU-Registry ist das zentrale Verzeichnis der Kommission für Digitale Produktpässe, geregelt in der Durchführungsverordnung (EU) 2026/1778 und seit Juli 2026 in Betrieb. Sie speichert Produktkennung, verantwortlichen Wirtschaftsakteur und Warencode, nicht die Passdaten selbst. Registrieren dürfen nur verifizierte Wirtschaftsakteure. Eine eigene DPP-Pflicht schafft die Registry nicht. Ob und ab wann Produkte einer bestimmten Produktgruppe registriert werden müssen, ergibt sich aus dem jeweiligen Rechtsakt.
Gibt es schon verbindliche technische Normen für den Digitalen Produktpass?
Ja. Sechs Normen von CEN-CENELEC (EN 18216 und EN 18219 bis EN 18223) sind seit dem 15. Juli 2026 über den Durchführungsbeschluss (EU) 2026/1736 im Amtsblatt gelistet. Sie decken Datenaustausch, Kennungen, Datenträger, Speicherung, Schnittstellen und Interoperabilität ab. Wer sie anwendet, kann sich auf die Vermutung der Konformität mit den entsprechenden DPP-Anforderungen der ESPR stützen.
Gilt die ESPR auch für B2B-Produkte?
Ja. Die ESPR unterscheidet nicht zwischen Konsumenten- und Geschäftskunden-Produkten. Maßgeblich ist das Inverkehrbringen im EU-Markt. Auch Komponenten, Industrieprodukte und Zwischenprodukte wie Stahl können pflichtig sein, wenn ihre Produktkategorie reguliert ist.
Was passiert bei Nichterfüllung der ESPR-Anforderungen?
Produkte ohne gültige Ökodesign-Dokumentation dürfen ab dem jeweiligen Stichtag nicht mehr im EU-Markt in Verkehr gebracht werden. Sanktionen werden von den Mitgliedstaaten national ausgestaltet und reichen von Bußgeldern über Vertriebsverbote bis zur Marktrücknahme.
Was bedeutet das Zerstörungsverbot der ESPR konkret?
Seit dem 19. Juli 2026 dürfen große Unternehmen unverkaufte Bekleidung, Bekleidungszubehör und Schuhe nicht mehr vernichten. Für mittlere Unternehmen gilt das Verbot ab dem 19. Juli 2030, Kleinst- und Kleinunternehmen sind ausgenommen. Mittlere und große Unternehmen müssen die Vernichtung unverkaufter Konsumgüter zusätzlich jährlich öffentlich berichten. Diese Berichte sind Basis für künftige Ausweitungen des Verbots auf weitere Produktkategorien.
Welche Ausnahmen gibt es vom Zerstörungsverbot?
Die Delegierte Verordnung (EU) 2026/296 lässt Vernichtung nur in eng umrissenen Fällen zu, unter anderem bei unsicheren Produkten, bei Verletzung von Rechten des geistigen Eigentums, bei nicht wirtschaftlich reparierbaren Schäden und wenn Spendenangebote nachweislich erfolglos geblieben sind. Unternehmen müssen die Ausnahme belegen und die Nachweise den Behörden auf Anfrage vorlegen.
Was ändert der European Product Act an der ESPR?
Der European Product Act ist ein angekündigtes Gesetzespaket zur Modernisierung des allgemeinen EU-Produktrechts, der Kommissionsvorschlag wird bis Ende 2026 erwartet. Laut bekannt gewordenem Entwurf soll er den Digitalen Produktpass horizontal verankern. Rechtswirkung hat er erst nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens. Die inhaltlichen Ökodesign-Anforderungen bleiben in der ESPR und ihren Delegierten Rechtsakten.
Wer ist rechtlich verantwortlich für die Einhaltung der ESPR?
Primär der Hersteller. Bei Produkten aus Drittstaaten der Importeur oder der bevollmächtigte Vertreter. Händler und Fulfillment-Dienstleister haben eine ergänzende Prüfpflicht. Die operative Umsetzung kann an spezialisierte Plattformen oder Dienstleister delegiert werden, die regulatorische Verantwortung bleibt beim Inverkehrbringer.
Wie lange dauert die Umsetzung einer ESPR-Compliance?
In der Praxis zwischen 6 und 12 Monaten, abhängig von Datenverfügbarkeit, Anzahl der betroffenen Produktkategorien und Komplexität der Lieferkette. Der kritische Pfad ist nicht die Technologie, sondern die Datenbeschaffung aus der Lieferkette und die Governance-Klärung intern.
Nächste Schritte
Du hast jetzt den Überblick. Drei mögliche nächste Schritte, je nach Stand:
01 · Scoping
Struktur für den Einstieg
Du willst das Thema in deinem Unternehmen strukturiert aufsetzen. Das Whitepaper liefert den kompletten Einführungs-Leitfaden mit Checkliste.
Whitepaper herunterladen02 · Vertiefung
Verwandte Regelwerke
Du willst den Digitalen Produktpass als horizontales Instrument oder die angrenzenden Regelwerke im Detail verstehen.
03 · Umsetzung
Direkt starten
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