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Thomas Rödding: "Mit der Frage nach der Herkunft kam die Zukunft."

Aktualisiert: 28. Juni 2023

Thomas Rödding, Oktober 2022

Thomas Rödding im Oktober 2022


Im Jahr 2010 sitze ich mit einem damaligen Geschäftskollegen beim Essen in einem guten Restaurant. Vor uns steht ein dunkles Glas Rotwein und ein saftiges Steak. „Irgendwann werden die Menschen wie selbstverständlich die genaue Herkunft dieses Stückes Fleisch und des Rotweins erfahren wollen, ohne extra ein Flaschenetikett und die Produktverpackung anfordern zu müssen. Dieses Bedürfnis wird den Markt grundlegend verändern.“ Die Reaktion auf der anderen Seite meines Tisches? Schallendes Gelächter. Das sei die dümmste Idee, von der er je gehört habe, sagt er und aß sein Steak. '


Die ersten Boten kamen auf leisen Füßen: „Bio“, „Öko“ oder „Fairtrade“ lauteten Begriffe und Label, die den Produktkauf mit einem guten Gewissen aufladen sollten. Die ersten Käufer solcherart Produkte waren eine Randgruppe. Kein Wunder, galt Konsum doch über Jahrzehnte als Akte der Selbstverwirklichung und Identitätsfindung. Die meisten Menschen interessierte, ob das Produkt gut für sie sei. Und nicht, ob dessen Produktion und Herkunft vielleicht schädlich für Andere war.


Genau das änderte sich radikal.


Es zählt nicht mehr allein, was Du herstellst …


Fridays4Future war vielleicht der medial aufsehenerregendste Spiegel einer Konsumwende. Doch gewiss nicht der einzige. „Gutes tun.“, „Natürlich kauf ich Bio!“ oder „Nachhaltig handeln,“ gesellten sich Schritt für Schritt inmitten der konsumorientierten Selbstverwirklichung. Es wurde „in“ zu fragen: Wo kommt das Produkt her? Ist das gesund? Wurde Kinderarbeit eingesetzt? Diese Fragen wurden häufiger, differenzierter, drängender.


… sondern wie Du es herstellst


Ich bin ein Genussmensch. Ich schätze ein gutes Stück Fleisch oder ein exquisites Paar Schuhe. Doch bereits vor über 12 Jahren störte mich etwas bei meinem Genuss: das Unwissen. Denn was heißt „gut“ beim Fleisch? Oder „exquisit“ beim Paar Schuhe? Ist es immer der höhere Preis, der mir die Qualität unhinterfragt ins Ohr flüstert? Und was erfahre ich, wenn ich im Restaurant nach der Fleischherkunft frage? Wo erfahre ich, woher das Leder für meine Schuhe stammt?

In einem Sabbatical 2011 erfuhr ich im Rahmen zahlreicher Natur- und Jagderlebnisse, was den wahren Genuss für mich ausmacht: die gesamte Lebensgeschichte eines Produktes persönlich zu kennen.


Vom Teller rückwärts gedacht


2017 gründete ich die DiWiMa als Tochterunternehmen der ZifferEins. Das Unternehmen wuchs innerhalb von 5 Jahren zum erfolgreichen Referenzmodell in der Darstellung einer 100%igen Transparenz in der Lebensmittelkette von Wildfleisch sowie in der digitalen Jagdorganisation heran. Wir bildeten hier noch eine vergleichsweise überschaubare Wertschöpfungskette ab: ein Jäger jagt, lässt es zerlegen und verarbeiten und verkauft es zumeist direkt an einen Endkonsumenten oder an eine Gastronomie. Ich extrahierte jeden Prozessschritt – vom Wald bis zum Teller. Und war erstaunt, wie unzählig viele kleine Schritte hier schon zusammenkamen! Da war für mich klar: Hier kann die Digitalisierung zeigen, was sie kann.


Technologie ist kein Selbstzweck: Entscheidend ist, dass wir willens und in der Lage sind, mit IT die Welt neu zu denken.


Heute nutzen mehr als >100.000 ha Großkunden die Lösungen von diwima. 12/2022 hatten wir 54 Mio. Zugriffe binnen 30 Tage. Unsere Technologie im Kontext von Jagd und Direktvermarktung kam an. und dann wurde es Zeit, den Prototypen aus dem kleinen Markt in einen Weltmarkt zu bringen. Denn aus Brüssel rollte ein legislativer Game Changer auf die Unternehmen dieser Welt zu.



Ab 01. Januar 2023

wird Transparenz zur Pflicht

Wir waren schnell. Denn wir waren überzeugt: Der gesellschaftliche Drang nach Transparenz in der Produktherkunft würde ganze Branchen radikal verändern. Dass zu dieser Zeit parallel in Brüssel bereits an ersten Gesetzen im Rahmen der Ökodesign-Richtlinie gearbeitet wurde, Begriffe wie der „Digitale Produktpass“ (DPP) auf dem Papier geboren wurden, konnten wir nicht ahnen. Doch wir waren sicher: es brauchte eine Lösungstechnologie – nein, eine ganze SaaS-Plattform – die aus der konventionellen eine gläserne Wertschöpfungskette macht. Das Unternehmen Narravero war geboren.


Narravero: „Lass es sprechen!“


Wir wollten keine "Stücklösung", sondern schlicht an alles denken, was es braucht, um Unternehmen von einem "transparent sein müssen" in ein "transparent sein wollen" zu begleiten. Wir entwickelten die technologische Plattform namens Narravero. Und tatsächlich ließen wir keine Kompromisse oder Teilarbeiten zu, sondern wollten die komplette Lebensgeschichte erzählbar machen, von vorne bis hinten, vom Hersteller über die Zulieferer bis hin zum Verbraucher und Wiederverwender. Schließlich nähern wir uns in Siebenmeilenstiefeln der Kreislaufwirtschaft. Unser technologische Stand von Narravero:


  • Alle zu einem Produkt relevanten Informationen werden auf der gesamten Wertschöpfungskette und überall auf der Welt mit wenigen Klicks dokumentiert und gespeichert. Ohne extra IT-Infrastruktur – bestehende Hardware wie Smartphones und PCs sind ausreichend.

  • Über einen unsichtbaren Chip innerhalb des Produktes (im Material, im Etikett, auf einem Chargen-Karton usw.) sind alle Informationen lückenlos eingespeist und zielgruppengerecht ausspielbar.

  • Zum Auslesen wird ein handelsübliches Handy benötigt: einfach an das Produkt halten, schon werden über Texte, Bilder und Videos die Erzählungen aus der Produkt- und Unternehmensgeschichte sichtbar. Glaubwürdig darin eingebunden sind transparenz-relevante Fakten, z. B. wo und unter welchen Umständen das Schwein, Rind oder Huhn aufwuchs, woher die Baumwolle für das T-Shirt kommt, ob Kinderarbeit zu 100% ausgeschlossen werden kann oder wie die Umweltbilanz zu der gekauften Kosmetik aussieht.

  • Auch der komplette After-Sales-Service (Informationen zur Pflege des Produkts oder neue Kaufanreize für Accessoires oder Ergänzungsprodukte) wandert unsichtbar in das Produkt, damit dieser dem Kunden bequem jederzeit zur Seite steht.



Große Bedürfnisspektrum nachhaltiger Unternehmen


Mein wachsendes Team und ich freuten uns, wie schnell die ersten Anfragen kamen und aus welch unterschiedlichen Branchen und Bedürfnislagen uns die Unternehmen kontaktierten: Da ist der große Konzern aus der Fashion Branche, der intern das Thema „CSR und Nachhaltigkeit“ komplett vom Kopf auf die Füße stellen will. Oder da ist der traditionelle Handwerksbetrieb, der einwandfrei zeigen will, wie akribisch und ethisch umsichtig er arbeitet. Oder der hochinnovative Hersteller von Convenience Goods, der seinen After Sales Bereich nicht nur deutlich kosteneffizienter, sondern v.a. konsequent nach den Wünschen seiner Kunden ausrichten kann.


Unsere Geschichte hat gerade erst begonnen. Und sie wird unzählige Geschichten, richtig gute Geschichten, hervorbringen. Dessen sind wir uns alle sicher. Denn nicht nur über Transparenz sprechen, sondern sie zeigen, beweisen und lebendig machen - das ist die Challenge der Zukunft und unsere absolute Leidenschaft!



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