Digitaler Produktpass: 5 Beispiele aus der Praxis
Deborah Walsleben
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Wer nach einem Beispiel für einen Digitalen Produktpass sucht, bekommt meistens Schaubilder und Musterdatensätze. Was fehlt, sind Unternehmen, die das Ding tatsächlich am Produkt hängen haben und sagen können, was es gebracht hat.
Die folgenden fünf Beispiele sind real. Ein Polstermöbelhersteller, der über 100 Exponate auf einer Messe ausgestattet hat. Ein Batteriehersteller, der die Pflicht ab zur Prozessoptimierung nutzt. Ein Kofferhersteller, der seine Qualitätssicherung damit papierlos gemacht hat. Eine Sportmarke, die damit Fälschungen erkennt. Und ein Möbelhersteller, der sein Geschäftsmodell kreislauffähiger macht.
Auffällig ist vor allem eines: Vier der fünf sind ohne unmittelbar geltende Umsetzungspflicht gestartet. Vier der fünf Digitalen Produktpässe kannst du hier direkt öffnen, statt nur darüber zu lesen.
Was ein Digitaler Produktpass in der Praxis ist
Ein Digitaler Produktpass ist ein digitaler Datensatz, der einem physischen Produkt fest zugeordnet ist und über einen maschinenlesbaren Datenträger am Produkt abgerufen wird. Ob er dabei für ein Modell, eine Charge oder ein Einzelstück geführt wird, legt der jeweilige Rechtsakt fest. Die Rechtsgrundlage dafür ist die Ökodesign-Verordnung, deren konkrete Anforderungen je Produktgruppe in delegierten Rechtsakten festgelegt werden. Die Europäische Kommission hat den Arbeitsplan für die Umsetzung der ESPR am verabschiedet, die Vorarbeiten für Textilien und Stahl laufen bereits.
Der Digitale Batteriepass ist ein Sonderfall. Er ist die erste verpflichtende Ausprägung im EU-Regulierungsrahmen und hat mit der EU-Batterieverordnung (EU) 2023/1542 eine eigene Rechtsgrundlage, er läuft also nicht über die Ökodesign-Verordnung.
Das ist die juristische Seite. Praktisch entscheidet sich der Charakter eines Digitalen Produktpasses an einer anderen Frage: Was passiert, wenn jemand scannt? Genau dort gehen die fünf Beispiele auseinander, und deshalb lohnt es sich, sie einzeln anzusehen statt eine Musterlösung zu suchen.
Kernpunkt: Die Rechtsgrundlage definiert den Pflichtumfang, den Nutzen definiert, was ein Unternehmen darüber hinaus in den Digitalen Produktpass legt.
Beispiel 1: KOINOR, Funktionen zeigen, die im Showroom fehlen
KOINOR baut konfigurierbare Polstermöbel. Für Polstermöbel liegt unter der Ökodesign-Verordnung noch kein delegierter Rechtsakt vor, es gab also keine unmittelbar geltende Umsetzungspflicht. Das Unternehmen hat das Projekt trotzdem gestartet, und zwar aus einem konkreten Vertriebsproblem heraus.
Im Möbelhaus steht ein Exponat, das nur einen Bruchteil der möglichen Konfigurationen zeigt. Motorische Verstellungen, Dreh- und Schwenkelemente, Beine, Bezüge: Alles, was nicht auf der Ausstellungsfläche steht, muss erklärt werden.
„In der Ausstellung sehe ich oftmals nur ein Ausstellungsstück, ein Exponat mit nicht allen Funktionen, die es gibt und die möglich sind. Über den Digitalen Produktpass habe ich die Möglichkeit, ein Video zu integrieren."
Harald Riemer, Leitung Marketing, KOINOR
Der Digitale Produktpass hängt als NFC-Tag am Möbelstück. Smartphone dranhalten, fertig. Kein App-Download, keine Website-Navigation.
„Der Vorteil beim Digitalen Produktpass mit dem NFC-Tag ist einfach, dass jeder sein Handy dabei hat und sofort scannen kann. Ohne dass ich eine App installieren muss."
Christian Wachter, Leitung IT, KOINOR
Im Digitalen Produktpass liegen Funktionsvideos, konfigurierbare Produktdetails, eine Weiterleitung in den 3D-Konfigurator und After-Sales-Inhalte wie Bedienungsanleitungen. Vertragsabschluss war Ende 2025, Projektstart im Januar 2026, Go-Live im April 2026 auf dem Salone del Mobile in Mailand, mit über 100 ausgestatteten Exponaten. Kein Pilot an drei Sofas, sondern flächendeckend auf der wichtigsten Messe der Branche.
Das zweite Projekt entstand direkt aus dem Feedback des ersten. Von Mai bis Juli 2026 lief ein weiterer Einsatz in einem europäischen Möbelhaus, bis Ende 2026 ist der Roll-out für das gesamte Produktprogramm geplant.
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Kernpunkt: Ohne geltende Pflicht gestartet, in vier Monaten live, über 100 Exponate. Der Business Case kam vor der Regulierung.
Beispiel 2: COR, Nachhaltigkeit beweisen statt behaupten
COR Sitzmöbel produziert seit 1954 in Rheda-Wiedenbrück. Die Ausgangslage war typisch für einen gewachsenen Mittelständler: Produktinformationen, Materialherkünfte und Rücknahmeszenarien lagen in verschiedenen Systemen, ohne durchgängige digitale Verbindung.
Die entscheidende Weichenstellung im Projekt war, den Digitalen Produktpass nicht als isoliertes Tool zu bauen. Die Pflichtdatenfelder wurden auf das bestehende ERP gemappt, sodass die Daten direkt von dort gezogen werden. Das klingt nach einem Detail, entscheidet aber darüber, ob ein Digitaler Produktpass im Betrieb gepflegt wird oder nach sechs Monaten veraltet.
Im Digitalen Produktpass liegen Materialzusammensetzung und Herkunft, Umweltzertifizierungen wie der Blaue Engel, Pflegehinweise, Rücknahmeszenarien, Recyclinginformationen und Serviceangebote, etwa passende Pflegeprodukte für die konkrete Konfiguration. Der Zugang läuft ebenfalls über NFC am Möbelstück.
„Der Digitale Produktpass versetzt uns in die Lage, echte Nachhaltigkeit zu beweisen."
Tobias Janorschke, Leitung Digitalisierung und Prozessmanagement, COR Sitzmöbel
Bemerkenswert ist der organisatorische Teil. COR hat Kickoff, Werksbesuch, Wireframe-Workshops und wöchentliche Abstimmungen mit ERP-Team und Partnern gefahren. Was wir bei Kunden immer wieder sehen: Genau dieser Teil entscheidet über die interne Akzeptanz, nicht die Technik. Wer die Produktion erst beim Go-Live einbezieht, hat ein Datenproblem und ein Stimmungsproblem gleichzeitig.
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Kernpunkt: Der Digitale Produktpass zieht seine Daten direkt aus dem ERP. Das hält ihn aktuell, ohne dass jemand nachpflegen muss.
Beispiel 3: SEINE Batteriesysteme, Pflicht als Prozesshebel
Für SEINE Batteriesysteme gibt es eine Frist. Nach der EU-Batterieverordnung wird der Digitale Batteriepass ab für bestimmte Batteriekategorien verpflichtend. Das Unternehmen hätte warten können. Es hat sich für frühe Integration entschieden, mit einem klaren Argument.
„Wenn man es richtig macht, landen wir beim DPP schnell bei effektivster Prozessoptimierung. Und das ist am Ende bares Geld wert."
Saredin Seine, Geschäftsführer, SEINE Batteriesysteme
Jede Batterie bekommt bereits im Pack- und Modulbau eine eindeutige digitale Identität über QR- oder NFC-Code. Produktions-, Test- und Qualitätsdaten laufen automatisiert in den Digitalen Batteriepass, angebunden über standardisierte Konnektoren an ERP, MES, PLM und QMS sowie an Lieferantendaten. Erfasst werden unter anderem Materialzusammensetzung, CO₂-Fußabdruck, Sicherheits- und Recyclingparameter.
Wichtig für die Einordnung: Die Pflicht zum Digitalen Batteriepass ab 2027 und die einzelnen Datenpflichten sind zwei verschiedene Dinge. Angaben wie CO₂-Fußabdruck oder Sorgfaltspflichten-Berichte greifen erst, wenn die jeweilige Anforderung für die Batteriekategorie anwendbar ist, und Teile davon brauchen noch sekundäre Gesetzgebung. Wer das vermischt, plant am falschen Stichtag.
Der Zugriff ist rollenbasiert. Endkunden, Service, Partner und Behörden sehen unterschiedliche Ausschnitte, revisionssicher gespeichert mit vollständigem Audit-Trail. Konkret bringt das eine zu 100 Prozent digitale, produktbezogene Servicehistorie, schnellere Nachweise für Behörden und Logistik, den Wegfall manueller Dokumentation und die Datengrundlage für Rücknahme, Remanufacturing und Second-Life-Angebote.
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Kernpunkt: Daten in der Produktion erfassen kostet fast nichts. Sie 2027 nachträglich zu rekonstruieren wird teuer.
Beispiel 4: B&W International, papierlose Qualitätssicherung
B&W International baut hochwertige Koffer und Schutzsysteme. Die Qualitätssicherung lief teilweise noch auf Papier, Prüf- und Serviceinformationen verteilten sich auf mehrere Systeme, und bei einer Reklamation kostete es Zeit, das konkrete Einzelstück zu identifizieren.
Der Digitale Produktpass löst hier zwei Dinge auf einmal. Nach innen laufen digitale Prüfchecklisten für Dichtigkeit, Scharnierfunktion und Innenausstattung, mit Fotos, Messwerten und Prüfvermerken, alles an der Seriennummer verknüpft. Nach außen führt ein NFC- oder QR-Tag am Produkt direkt zu Explosionszeichnungen, Ersatzteillisten und Serviceformularen, mit automatischer Produktzuordnung und Anbindung an CRM und ERP.
„Wir schätzen den DPP sehr, weil wir viele Informationen an Kunden bringen können, die sonst nicht zu vermitteln wären und jederzeit am Produkt verfügbar sind."
Dirk Uhlenbrock, Geschäftsführer, B&W International
Das Ergebnis ist vollständige Rückverfolgbarkeit über Produktion, Prüfung und Service hinweg, deutlich weniger manueller Aufwand bei Reklamationen und ein Ersatzteilprozess, der ohne Rückfrage-Pingpong per E-Mail auskommt. Dieses Beispiel ist interessant, weil der Nutzen hier überwiegend intern entsteht. Der Endkundenzugang ist ein Nebeneffekt, nicht der Treiber.
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Kernpunkt: Der Digitale Produktpass rechnet sich auch dann, wenn ihn kein einziger Endkunde scannt.
Beispiel 5: DSSLR, Echtheit und Community am Produkt
DSSLR ist eine 2023 gegründete Sport- und Lifestylemarke von Christoph A. Dassler. Limitierte Kollektionen, nach Angaben der Marke mit bis zu 95 Prozent recycelten Materialien und Bio-Baumwolle. Und damit ein Fälschungsrisiko, das bei jedem Drop größer wird.
Hier übernimmt der Digitale Produktpass eine Rolle, die in der Regulatorik gar nicht vorgesehen ist: Authentifizierung. Auf jedem Produkt sitzt nach Angaben von DSSLR ein Hochsicherheits-NFC-Tag mit zertifizierter Signaturprüfung. Wer scannt, bekommt eine belastbare Echtheitsbestätigung, dazu Seriennummer, Kollektion, Materialzusammensetzung, Produktionscharge und Herkunft.
„Wenn Kund:innen unser Stück scannen, wissen sie: Es ist echt. Gleichzeitig ermöglicht der DPP den Zugriff auf exklusive Inhalte und bleibt dabei mit unseren Handelssystemen kompatibel. Das ist einfach großartig."
Christoph A. Dassler, Gründer und Geschäftsführer, DSSLR
Der zweite Teil ist der interessantere. Der Scan triggert automatisch die Einbindung in die Community, mit exklusiven Inhalten und Gamification-Elementen. Für eine Marke ohne eigenen stationären Handel ist das ein direkter Kanal zum Träger des Produkts, unabhängig davon, über welchen Händler das Teil verkauft wurde. Die Anbindung an bestehende Kassen- und Handelssysteme läuft über GS1 Digital Link. Für Unternehmen aus der Textil- und Modeindustrie ist dieser Punkt meist der entscheidende, weil ohne Handelssystem-Kompatibilität jede Lösung an der Kasse endet.
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Kernpunkt: Bei DSSLR ist der Digitale Produktpass der direkteste Kanal zum Träger des Produkts, unabhängig vom Verkaufsweg.
Was die fünf Beispiele gemeinsam haben
Ein Sofa, eine Industriebatterie, ein Schutzkoffer und ein Hoodie haben produktseitig wenig gemeinsam. In der Umsetzung wiederholen sich trotzdem dieselben Muster.
| Unternehmen | Branche | Auslöser | Kern-Nutzen |
|---|---|---|---|
| KOINOR | Polstermöbel | Keine geltende Pflicht, Vertriebsnutzen | Funktionen sichtbar machen, die im Showroom fehlen |
| COR | Möbel | Keine geltende Pflicht, Nachhaltigkeitsstrategie | Nachweisbare Nachhaltigkeit, Rücknahme und Recycling |
| SEINE Batteriesysteme | Batterie und Energiespeicher | EU-Batterieverordnung, 2027 | Prozessoptimierung, Servicehistorie, Second Life |
| B&W International | Schutzkoffer und Kunststoff | Keine geltende Pflicht, interne Effizienz | Papierlose Qualitätssicherung, Ersatzteilkanal |
| DSSLR | Sportmode | Fälschungsschutz, Markenbindung | Echtheitsprüfung, Community-Zugang am Produkt |
Drei Beobachtungen daraus. Erstens: Der Auslöser war in drei von fünf Fällen keine geltende Pflicht. Zweitens: Der eigentliche Aufwand lag in allen fünf Projekten im Zusammenführen verteilter Produktdaten, nicht in der Technik am Produkt. Und drittens fällt auf, dass in keinem der Beispiele der Digitale Produktpass als Compliance-Dokument endet. Er wird jeweils zu dem, was das Unternehmen ohnehin gebraucht hätte.
Wenn du wissen willst, ob dein Sortiment überhaupt betroffen ist, hilft der Überblick zu den Produktgruppen mit DPP-Pflicht. Für die Einordnung des Gesamtthemas gibt es die Hauptseite zum Digitalen Produktpass.
Kernpunkt: In drei von fünf Fällen war keine geltende Pflicht der Auslöser, sondern ein Problem, das der Digitale Produktpass ohnehin löst.
So kommst du zu deinem eigenen Beispiel in fünf Schritten
Der häufigste Fehler ist, auf den delegierten Rechtsakt zu warten. Der schärft die Arbeit nach, er ersetzt sie nicht. Die folgenden fünf Entscheidungen kannst du ohne finalen Rechtsakt treffen, und sie stehen alle vor der Frage, welches System du einsetzt.
- Kläre zuerst, welche Produktgruppen betroffen sind und ab wann Erst die regulatorische Einordnung, dann die Reihenfolge. Welches Produkt die meisten Rückfragen erzeugt, ist ein gutes Argument für die Priorisierung, ersetzt aber die Betroffenheitsbewertung nicht.
- Leg Zielbild und Granularität fest, bevor etwas gedruckt wird Entscheide, was beim Scannen sichtbar sein soll und ob der Digitale Produktpass auf Modell-, Chargen- oder Einzelstückebene läuft. Inhalte kannst du später nachziehen, die Ebene nicht.
- Benenne eine verantwortliche Person mit Mandat über Bereichsgrenzen Der Digitale Produktpass berührt Recht, Produkt, IT, Produktion, Nachhaltigkeit und Marketing gleichzeitig. Ohne Mandat und Rückendeckung aus der Leitung bleibt das Vorhaben in Abstimmungen hängen.
- Mach eine Dateninventur, bevor du integrierst Notiere für jede benötigte Information, was vorliegt, wo es liegt und wer es verantwortet. Starte mit den vorhandenen Daten und mach die Lücken sichtbar, statt auf Vollständigkeit zu warten.
- Plane rückwärts vom Produktionsvorlauf, nicht vom Stichtag Der bindende Termin ist der Produktionsstart der betroffenen Charge, weil Datenträger, Prüfprozesse und Lieferantenabstimmungen Monate vorher feststehen müssen.
Für eine erste Produktgruppe von der Betroffenheitsbewertung bis zum Go-live sind sechs Monate ein realistischer Rahmen, wenn die Verantwortlichkeiten geklärt sind und mit vorhandenen Daten gestartet wird. KOINOR hat es in vier geschafft, allerdings ohne regulatorische Datenpflichten im Rücken. Wie die Phasen im Detail aussehen, welche Rollen beteiligt sind und welche vier Stolperstellen am meisten Vorlaufzeit kosten, steht im Beitrag Digitalen Produktpass einführen: Projekt richtig aufsetzen.
Kernpunkt: Inhalte lassen sich später nachziehen, die Granularität und der Produktionsvorlauf nicht.
Digitale Produktpässe in Zahlen
19.07.2026
seit diesem Tag gilt das Vernichtungsverbot für unverkaufte Kleidung und Schuhe (Europäische Kommission)
18.02.2027
Stichtag für den Digitalen Batteriepass nach EU-Batterieverordnung (EUR-Lex, VO (EU) 2023/1542)
16.04.2025
Verabschiedung des ESPR-Arbeitsplans 2025 bis 2030 (Europäische Kommission)
100+
Exponate mit Digitalem Produktpass beim KOINOR-Go-Live auf dem Salone del Mobile
4 Monate
von Vertragsabschluss bis Markteinführung bei KOINOR
200+
Unternehmenskunden aus 12 Branchen nutzen die Narravero-Plattform
Kernpunkt: Die Stichtage stehen fest, und die ersten Unternehmen liefern bereits, statt auf den delegierten Rechtsakt zu warten.
Umsetzung mit Narravero
Narravero betreibt eine End-to-End DPP-Plattform. Alle fünf Beispiele in diesem Artikel laufen darauf. Über 200 Unternehmenskunden aus 12 Branchen nutzen die Plattform, sie verarbeitet 300 Millionen Plattformzugriffe pro Monat, gehostet in der EU und DSGVO-konform.
Was die fünf Projekte unterscheidet, ist nicht die Technik am Produkt, sondern die Datenanbindung dahinter. Bei COR lief das über ein Mapping auf bestehende ERP-Felder, bei SEINE Batteriesysteme über Konnektoren zu ERP, MES, PLM und QMS. Diese Infrastruktur ist zwischen Produktgruppen wiederverwendbar, aber nicht automatisch übertragbar: Datenmodelle, Rollen und Nachweise müssen je Produktgruppe angepasst werden.
Thomas Rödding, Gründer und CEO von Narravero, engagiert sich persönlich als Co-Chair im CEN-CENELEC JTC 24 und als Vice Chairman beim DIN, den Gremien, die den technischen Rahmen für den Digitalen Produktpass in Europa mitgestalten. Aus diesem Engagement bringt er ein präzises Verständnis dafür mit, wie Datenmodelle für unterschiedliche Produktgruppen regulatorisch gedacht sind.
Kernpunkt: Die Plattform ist in allen fünf Fällen dieselbe. Unterschiedlich ist nur, welche Systeme daran hängen.
Häufige Fragen zu Beispielen für den Digitalen Produktpass
Gibt es schon echte Beispiele für den Digitalen Produktpass?
Ja, es gibt bereits Unternehmen, die den Digitalen Produktpass im laufenden Geschäft einsetzen, darunter KOINOR und COR in der Möbelindustrie, SEINE Batteriesysteme im Energiespeicherbereich, B&W International bei Schutzkoffern und DSSLR in der Sportmode.
Wie sieht ein Digitaler Produktpass für Möbel aus?
Bei Möbeln enthält der Digitale Produktpass typischerweise Materialangaben, Pflegehinweise, Bedienungsanleitungen, Videos zu Funktionen und Varianten sowie Rücknahme- und Recyclinginformationen, abrufbar über einen NFC-Tag direkt am Möbelstück.
Welche Technik steckt hinter den Beispielen, QR-Code oder NFC?
Beides kommt vor, denn die Ökodesign-Verordnung schreibt einen maschinenlesbaren Datenträger vor, nicht eine konkrete Technologie. NFC eignet sich für Produkte, die man in der Hand hält oder vor sich stehen hat, QR-Codes sind günstiger und funktionieren auch aus Distanz.
Was steht in einem Digitalen Produktpass drin?
Der Pflichtumfang ergibt sich aus dem jeweiligen Rechtsakt für die Produktgruppe und umfasst in der Regel Identifikation, Materialzusammensetzung, Nachhaltigkeits- und Recyclinginformationen. Zusätzlich legen viele Hersteller freiwillig Inhalte ab, etwa Anleitungen, Ersatzteillisten, Serviceformulare oder Videos.
Muss ich auf den delegierten Rechtsakt für meine Produktgruppe warten?
Nein, vier der fünf Beispiele in diesem Artikel sind ohne unmittelbar geltende Umsetzungspflicht gestartet. Wer erst mit dem Rechtsakt beginnt, baut unter Zeitdruck genau die Datengrundlage auf, die vorher in Ruhe hätte entstehen können.
Wie lange dauert die Einführung eines Digitalen Produktpasses?
Das hängt vom Umfang ab. KOINOR ging vier Monate nach Vertragsabschluss mit über 100 Exponaten live, während ein vollständig regulatorisch abgedeckter Digitaler Batteriepass mit Produktionsanbindung wie bei SEINE Batteriesysteme über mehrere Ausbaustufen läuft.
Braucht jedes einzelne Produkt einen eigenen Digitalen Produktpass?
Das hängt von der Produktgruppe ab, denn der jeweilige Rechtsakt legt fest, ob der Digitale Produktpass auf Modell-, Chargen- oder Einzelstückebene geführt wird. Für bestimmte Batterien ist die Einzelstückebene vorgeschrieben, deshalb bekommt bei SEINE Batteriesysteme jede Batterie bereits im Pack- und Modulbau eine eigene digitale Identität.
Was unterscheidet einen Digitalen Produktpass von einer Produktseite im Shop?
Eine Produktseite beschreibt ein Modell und endet mit dem Kauf, während der Digitale Produktpass an der vom Rechtsakt vorgegebenen Einheit hängt und über die gesamte Nutzungsdauer weiterlebt, inklusive Service, Reparatur, Weiterverkauf und Recycling.
Wie sieht ein Beispiel im Batteriebereich aus?
SEINE Batteriesysteme erfasst Produktions-, Test- und Qualitätsdaten automatisiert aus ERP, MES, PLM und QMS und überführt sie in den Digitalen Batteriepass, mit rollenbasierten Sichten für Endkunden, Service, Partner und Behörden.
Was kostet ein Digitaler Produktpass?
Die Kosten hängen von Produktanzahl, Datenquellen und Integrationstiefe ab. Für eine erste Einschätzung gibt es den Preis-Konfigurator von Narravero, der den Rahmen anhand von Sortimentsgröße und Anbindungsbedarf eingrenzt.
Nächste Schritte
Je nachdem, wo du gerade stehst, führt einer dieser drei Wege weiter.
01 · Orientierung
Betrifft es dein Sortiment?
Wenn noch unklar ist, welche deiner Produktgruppen unter die Pflicht fallen und wann.
Produktgruppen im Überblick →02 · Vertiefung
DPP im Unternehmen einführen
Das Whitepaper beschreibt Vorgehen, Rollen und Datenanforderungen für die ersten Projektmonate.
Whitepaper herunterladen →03 · Standortbestimmung
Wo steht ihr gerade?
Der Readiness Check ordnet euren Stand in wenigen Minuten ein und zeigt die nächsten sinnvollen Schritte.
Readiness Check starten →